
Am Anfang war der Kredit... und es werde Geld!
Wir nutzen kein Warengeld mehr, sondern Kreditgeld. Während Gold und Silber durch ihren „inneren Wert“(Basis: natürliche Knappheit, Produktionskosten, Nutzen in der Form der Eignung als Geld sowie Gefallen der Menschen am Gold und Silber als Schmuck) „natürliches Geld“ darstellen, ist Fiat Money „aus dem Nichts“ geschaffenes Papiergeld, dem keine Warendeckung gegenüber steht. Am Anfang steht jedoch der Kredit, denn Geld im Sinne von Banknoten (= Zentralbankgeld) ist nicht „einfach so da“,sondern gelangt von den Zentralbanken erst durch die Abtretung (Zession) eines Schuldtitels, zum Beispiel eines Wertpapierpensionsgeschäfts, an die Geschäftsbanken. Nun sind aber eben jene abgetretenen Schuldtitel an sich schon Kredite, denn bei Pensionsgeschäften handelt es sich um den Verkauf von Vermögensgegenständen wie Wechsel, Wertpapiere und Forderungen. Die Reihenfolge ist also wie folgt: Erst vergibt eine Geschäftsbank einen Kredit, zum Beispiel an ein Unternehmen, das zur Produktion Rohstoffe kaufen muss. Dafür verlangt die Bank von dem Unternehmen Sicherheiten, zum Beispiel Wertpapiere. Diese werden dann von der Geschäftsbank an die Zentralbank verpfändet, worauf sie Zentralbankgeld, also Banknoten erhält. Bargeld kommt also nicht im Voraus in Umlauf, sondern erst im Nachhinein. Daher ist der Glaube, Kredite setzten Ersparnisse voraus, für unser heutiges Kreditgeldsystem falsch. Ebenso überraschend ist die Erkenntnis, dass es Geld, das jemand verleihen könnte, in einem Kreditgeldsystem nicht gibt. Das mag Sie nun irritieren, ist aber völlig logisch, denn hinter dem Geld steht ein Kredit und den kann man nicht verleihen. Banken „verleihen“ das ihnen eingezahlte Geld, indem sie die darin enthaltene Forderung zedieren.
Angenommen, Sie haben gerade 100 Euro am Geldautomat gezogen, dann bedeutet das nichts weiter, als dass für diesen Wert (zuzüglich Zinsen) bei der Zentralbank ein Schuldtitel hinterlegt ist, also ein Kredit einer Geschäftsbank (der natürlich deutlich höher als 100 Euro sein kann). Wenn Sie demnach in einem Kaufhaus etwas mit diesen 100 Euro bezahlen, begleichen Sie damit zwar ihre individuelle Schuld, doch das hinter dem Geld liegende Schuldverhältnis bleibt völlig unangetastet. Sie treten in diesem Moment lediglich die Forderung, die Sie indirekt gegenüber dem ursprünglichen Kreditnehmer haben, an das Kaufhaus ab. Geld ist somit durch seinen Charakter als „gesetzliches Zahlungsmittel“ zessionsfähig gemachte Schuld. Das Geld kommt erst nach dem Kredit und der Kredit wurde zuvor durch die Geschäftsbank „aus dem Nichts“geschaffen.
Jede Geschäftsbank kann für eine Einlage abzüglich eines prozentualen Anteils für die Mindestreserve (jene muss bei der Zentralbank hinterlegt werden) einen Kredit vergeben. Der Kreditnehmer wird die Kreditsumme für irgendeinen Zweck verwenden und damit etwas bezahlen, ergo „fließt“ dieses Geld wieder zu einer Bank, die wiederum für diese neue Einlage einen weiteren Kredit abzüglich der Mindestreserve vergeben kann, usw.. Angenommen, der Staat habe eine neue Straße bauen lassen und begibt zur Begleichung der Rechnungen eine neue Staatsanleihe über 105 Millionen Euro, welche die Notenbank entgegen nimmt. Diese stellt dann einen Scheck an den Staat abzüglich Zinsen in Höhe von 100 Millionen Euro Zentralbankgeld aus, welchen der Staat zur Begleichung der ausstehenden Rechnungen nutzen kann. So geht das Geld dann bei den Geschäftsbanken, und zwar auf den Konten der Gläubiger, zum Beispiel eines
Straßenbauunternehmens, ein. Bei einem Mindestreservesatz von 10% können die Geschäftsbanken dann von den zufließenden 100 Millionen Euro noch 90 Millionen Euro als Kredite vergeben. Doch das ist nicht alles, denn diese Kredite werden ihrerseits für irgendetwas genutzt und das Geld „fließt“ daher als neue Einlage zu den Geschäftsbanken zurück, sodass sie für diese 90 Millionen Euro abzüglich von 10 Millionen Euro für die Mindestreserve wieder Kredite vergeben können. Dieses Schema lässt sich weiter fortführen, sodass aus 100 Millionen Euro Zentralbankgeld letztlich durch die Geschäftsbanken „aus dem Nichts“ weitere 900 (!) Millionen Euro in Form von Darlehen geschaffen werden können. Dieser als Geldschöpfung bezeichnete Vorgang ist ausschließlich den Geschäftsbanken möglich. Die vorangehenden Zeilen müssen Sie vermutlich noch einmal lesen, bevor Sie sich über deren Tragweite klar werden.
Robert H.Hemphill, Credit Manager der Federal Reserve Bank, Atlanta formulierte die erschreckende Erkenntnis wie folgt: „
Der Zins, sie zu knechten, sie ewig zu binden...
Bei den vorangegangen Betrachtungen habe ich den Zins immer nur beiläufig aufgeführt, tatsächlich ist er es jedoch, der die Menschen „knechtet und bindet“
Wenn die Geschäftsbank Geld „aus dem Nichts“ schöpft, indem sie Ihnen einen Hypothekenkredit über 100.000 Euro zur Verfügung stellt, schafft sie mit dem Kredit nur das Ausgangskapital, erwartet jedoch, dass Sie ihr im Laufe der Zeit 100.000 Euro zuzüglich Zinsen zurück zahlen. Nun, wenn Sie bis hier hin aufmerksam gelesen haben, dann wissen Sie, dass dieser zusätzliche Betrag nur dadurch erbracht werden kann, dass weitere Schulden entstehen. Ihr Ziel muss es sein, jemanden zu finden, der Ihre Schulden übernimmt bzw. Ihnen Forderungen abtritt. Wenn Sie arbeiten gehen, erhalten Sie dafür Lohn, das heißt, das Unternehmen bei dem Sie arbeiten tritt eine Forderung an Sie ab. Schulden werden also nicht beglichen, Schulden werden umgeschuldet - Schulden und Zinsen werden mit neuen Schulden bezahlt. Das gleiche gilt auch für die Schulden des Staates und der Unternehmen, die letztlich die Bürger über höhere Steuern und Abgaben bzw. die Konsumenten über höhere (Angebots-)Preise tragen.
Der Zins zwingt zu neuen Schulden. Außerdem führt er dazu, dass das Geldvermögen derer weiter zunimmt, die ohnehin schon zu viel haben. Und da die Geldvermögen seit 30 Jahren schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung, fallen die Arbeitseinkommen bei der Aufteilung des BIP relativ immer mehr zurück. Es liegt in der Logik der Sache, dass wenn die Geldvermögen wachsen, die Schulden entsprechend mit wachsen. Vor diesem Hintergrund kann es auch nicht überraschen, dass die Geldmenge M3 und die Verschuldung ähnlich verlaufen, wie die beiden Grafiken zeigen.
Auf einen „verblüffenden“ Systemfehler hat zudem Dr. Paul C. Martin (im Elliott-Waves-Board bekannt als „dottore“) in verschiedenen Beiträgen hingewiesen: Der „Zins“, welchen die Zentralbank für die Abgabe von gesetzlichem Zahlungsmittel gegen Hereinnahme von Schuldtiteln verlangt, kann niemals getilgt werden, was im Zeitablauf Zinseszins-Effekte unumgänglich macht. Doch der Reihe nach: Die Zentralbank erhebt nicht wirklich Zinsen, weil sie kein Geld verleiht (sondern es schlichtweg nur „schafft“). Sie bedient sich dafür am Zins des entgegengenommenen Schuldtitels, sodass eher von einer Prämie oder Steuer gesprochen werden müsste. Die Zentralbank akzeptiert nur gesetzliche Zahlungsmittel zur Schuldtilgung, doch woher sollen diese kommen, wenn nicht über neue Schulden? Einfach ausgedrückt verlangt die Zentralbank mehr gesetzliche Zahlungsmittel zurück, als sie selbst gegen das Pfand geschaffen hat. Und da eben nur sie selbst gesetzliche Zahlungsmittel schafft, muss die Geschäftsbank neue Schuldtitel hinterlegen, um an das gesetzliche Zahlungsmittel zu kommen – ein Teufelskreis, der zum weiteren Aufbau des „Schuldenturmbau zu Babel“beiträgt. Damit bindet der Zins wahrhaftig ewig die Geschäftsbanken an die Zentralbanken – die Analogie zum „Herr der Ringe“ist also durchaus treffend.
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